Internet, Strom, Wasser und Straßen in Paraguay: Was Auswanderer erwartet
Paraguay

Internet, Strom, Wasser und Straßen in Paraguay: Was Auswanderer erwartet

calendar_month 21.06.2026 person Carsten Rickel schedule 6 Min. Lesezeit

Glasfaser in 82 Prozent der Distrikte, Strom aus Wasserkraft zum günstigsten Preis der Region, aber Netzausfälle und viel Wasser ohne Desinfektion: der ehrliche Infrastruktur-Überblick mit Checkliste für den Immobilienkauf.

Funktioniert in Paraguay der Alltag – Internet fürs Homeoffice, Strom für die Klimaanlage, sauberes Wasser, eine Straße, die auch nach dem Gewitter befahrbar ist? Die ehrliche Antwort hängt weniger vom Land ab als vom Grundstück. Zwischen einem Haus in Asunción und einer Chacra zwanzig Kilometer hinter der letzten Asphaltstraße liegen Welten. Dieser Überblick zeigt, was Sie erwarten können, wo die typischen Schwachstellen liegen und was Sie vor dem Kauf am konkreten Objekt prüfen sollten.

Wie gut ist das Internet in Paraguay?

Besser, als die meisten erwarten. Die Telekommunikationsbehörde CONATEL zählt für 2024 mehr als 926.000 Festnetz-Internetanschlüsse – 2019 waren es noch rund 412.000. Seit 2022 ist Glasfaser die meistgenutzte Anschlusstechnik und hat das Kabelnetz überholt. Festnetz-Internet wird in 217 Distrikten angeboten, das sind gut 82 Prozent aller Distrikte des Landes.

Für Sie heißt das: In Asunción und Umgebung, in den Städten des Ostens und in vielen Kleinstädten – auch in Villarrica und rund um Colonia Independencia – bekommen Sie Glasfaser mit Geschwindigkeiten, die für Videokonferenzen und Streaming locker reichen. Die großen Anbieter sind Tigo, Personal, Claro und die staatliche COPACO. Auf dem Land entscheidet die Lage: Liegt die Glasfaser an der Straße, ist der Anschluss oft eine Frage von Tagen. Liegt sie nicht dort, bleibt mobiles Internet über 4G – brauchbar entlang der Hauptachsen, schwankend in Senken und abgelegenen Gebieten.

Die Lücke schließt seit Dezember 2023 Starlink. Zum Start kostete der Dienst in Paraguay 380.000 Guaraníes im Monat plus einmalig 1.950.000 Guaraníes für die Hardware; die Preise haben sich seitdem mehrfach geändert und liegen aktuell auf der Website des Anbieters. Für Remote-Worker auf dem Land ist Starlink heute die übliche Absicherung – oft als Zweitverbindung neben 4G.

Warum ist Strom so günstig – und wie zuverlässig ist er?

Paraguay erzeugt seinen Strom nahezu vollständig aus Wasserkraft, vor allem aus den binationalen Kraftwerken Itaipú (mit Brasilien) und Yacyretá (mit Argentinien). Das Land produziert mehr, als es verbraucht, und das zeigt sich im Preis: Nach einem Vergleich von pv magazine lag der Haushaltsstrompreis in Paraguay im August 2025 bei 68 US-Dollar je Megawattstunde – der niedrigste Wert im Cono Sur, gegenüber 203 US-Dollar in Brasilien und 269 US-Dollar in Uruguay. Umgerechnet sind das rund sieben US-Cent je Kilowattstunde. Für kleine Verbraucher gibt es beim Versorger ANDE zusätzlich Sozialstufen mit ermäßigten Tarifen.

Die Schwachstelle ist nicht die Erzeugung, sondern das Netz. Übertragungs- und Verteilnetz sind in den vergangenen Jahren nicht im Tempo der Nachfrage gewachsen, und an heißen Sommertagen, wenn überall die Klimaanlagen laufen, zeigt sich das. Am 18. Februar 2026 löste ein Defekt im Umspannwerk Yguazú eine Kettenreaktion aus, die rund 90 Prozent der Landesnachfrage vom Netz nahm und etwa fünf Millionen Menschen betraf. Solche Großausfälle sind selten; kurze, örtliche Unterbrechungen bei Unwettern sind dagegen Alltag, vor allem auf dem Land.

Es gibt auch Fortschritt: Nach Angaben der ANDE sank die durchschnittliche Unterbrechungsdauer im Sommer 2024/2025 von 3,4 auf 1,73 Stunden, begleitet von Investitionen von 531 Millionen US-Dollar. Wer auf Strom angewiesen ist – etwa für Homeoffice, Kühlung oder eine Wasserpumpe –, plant trotzdem eine Absicherung ein: eine USV für Router und Rechner, einen Generator oder eine Solaranlage mit Speicher.

Woher kommt das Wasser?

Laut dem Jahresbericht 2025 der Regulierungsbehörde ERSSAN haben gut 90 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Leitungswasser. Geliefert wird es von rund 6.300 Versorgern – und das ist die Besonderheit: Die staatliche ESSAP deckt nur gut ein Viertel ab. 42 Prozent entfallen auf Juntas de Saneamiento, von den Anwohnern getragene Wassergenossenschaften, dazu kommen Nachbarschaftskommissionen und private Anbieter.

Die Qualität schwankt entsprechend. Nach ERSSAN erhalten nur 71,3 Prozent der Nutzer Wasser aus Systemen, die korrekt desinfizieren. An Abwasserkanäle angeschlossen sind nur gut 16 Prozent der Bevölkerung – außerhalb der Zentren ist die Klärgrube (pozo ciego) der Normalfall. Auf dem Land haben viele Grundstücke einen eigenen Brunnen mit Pumpe und Hochtank. Das ist eine gute, bewährte Lösung, braucht aber Strom und sollte einmal auf Wasserqualität geprüft werden.

Wie gut sind die Straßen?

Die großen Achsen sind asphaltiert und in ordentlichem Zustand: Asunción–Ciudad del Este, Asunción–Encarnación, die Ruta PY08 nach Villarrica. Im Chaco baut das Ministerium für öffentliche Arbeiten MOPC den Corredor Bioceánico aus, der die Region als Logistikachse zwischen Atlantik und Pazifik erschließen soll; auf 224 Kilometern zwischen Mariscal Estigarribia und Pozo Hondo laufen die Asphaltarbeiten in vier Losen.

Abseits der Hauptstraßen beginnt die Welt der Erdwege (camino de tierra) und des Kopfsteinpflasters (empedrado). Empedrado ist robust; Erdwege werden nach starkem Regen schlammig und können für einige Stunden oder Tage schwer passierbar sein. Für Käufer ist deshalb eine Zahl besonders wichtig: die Entfernung vom Grundstück zur nächsten Asphaltstraße.

Stadt oder Land: Was passt zu Ihnen?

Wer auf stabiles Glasfaser-Internet, kurze Wege zu Klinik und Supermarkt und Kanalisation Wert legt, ist in Asunción, im Großraum Central oder in einer der größeren Städte richtig. Wer Platz, Ruhe und Natur sucht, findet auf dem Land Grundstücke zu einem Bruchteil der Stadtpreise – und nimmt dafür eigene Lösungen für Wasser, Stromabsicherung und Internet in Kauf. Ein guter Kompromiss sind Ortschaften wie Colonia Independencia oder San Bernardino: ländlich, aber mit Glasfaser, Asphalt und Versorgung in Reichweite. Einen Vergleich der Regionen finden Sie in unseren Regionalguides.

Checkliste: Was Sie am Objekt prüfen sollten

Erschließung prüfen, bevor Sie kaufen

Die Infrastruktur entscheidet mit darüber, ob ein Grundstück im Alltag funktioniert – und später wieder verkäuflich ist. Wir leben selbst in Guairá und prüfen bei unseren Objekten Zufahrt, Strom, Wasser und Internet vor Ort. Zu den aktuellen Immobilien oder direkt Kontakt aufnehmen.

Quellen und Stand: CONATEL – Estudio del mercado de Internet Fijo 2019–2024 (Nov. 2025); DPL News zum Start von Starlink in Paraguay (Dez. 2023); pv magazine – Strompreise im Cono Sur (Sept. 2025); ANDE – Tarifas vigentes; ABC Color zur ANDE-Bilanz Sommer 2024/2025; Última Hora zum Stromausfall vom 18.02.2026; ABC Color zum ERSSAN-Bericht 2025; MOPC – Corredor Bioceánico. Stand: September 2026.

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Verfasst von

Carsten Rickel

Experte bei Immobilien Paraguay – seit 1998 begleiten wir deutschsprachige Investoren und Auswanderer beim sicheren Kauf von Immobilien in Paraguay. Mehr über den Autor →

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