Fakten und Mythen über Adolf Hitlers angeblichen Aufenthalt in Paraguay


Am 30. April wird alljährlich an den vermeintlichen Suizid Adolf Hitlers in seinem Berliner Bunker erinnert. Seit Jahrzehnten kursiert jedoch die Behauptung, der Nazi-Diktator sei nach Südamerika geflohen und habe in Paraguay gelebt. Der Historiker Fabián Chamorro hat diese Theorie analysiert, die im Land nach wie vor Diskussionsstoff bietet.

Chamorro erläutert, dass die Idee von Hitlers Flucht unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg von den Sowjets zu Beginn des Kalten Krieges in Umlauf gebracht wurde. Daraus entstand ein Mythos, der sich auf mehrere Länder, einschließlich Paraguay, ausbreitete. Ähnliche Versionen existieren in Lateinamerika auch in Mexiko, Kolumbien, Panama und Argentinien. "Einigen zufolge spazierte Hitler quasi durch ganz Amerika", kommentierte Chamorro ironisch.

Die historischen Beweise widerlegen diesen Mythos jedoch. Chamorro stellt klar, dass dank verfügbarer Dokumente und Daten im Internet heute leicht überprüft werden kann, was tatsächlich geschah. "Als Hitler starb, war Berlin bereits vollständig von sowjetischen Truppen umzingelt. Eine Flucht war unmöglich", erklärte er. Hitlers Überreste wurden gefunden und identifiziert, was durch forensische Berichte belegt ist. "Es gibt viele dokumentierte Informationen, aber in Paraguay glauben wir gerne, dass Hitler hier starb. Wir sind von Natur aus mythomane", kommentierte der Historiker.

Obwohl der Fall Hitler ein Mythos ist, erinnerte Chamorro daran, dass es tatsächlich Nazis in Paraguay gab, von denen einige hier ungestraft lebten. "Es wird geschätzt, dass etwa 12.000 Nazis in die Region kamen. Die meisten blieben in Argentinien, aber Paraguay diente als Transitland", sagte er.

Zu den Nazi-Führern, die in Paraguay starben, gehörten Eduard Roschmann, bekannt als "der Schlächter von Riga", und der berüchtigte Josef Mengele, Lagerarzt in Auschwitz. "Mengele lebte in Paraguay, betrieb Geschäfte und bewegte sich unter Schutz. Sogar Stroessner selbst hatte Verbindungen zu ihm", behauptete Chamorro.

Die Nazis ließen sich hauptsächlich in der Region Hohenau im Departement Itapúa nieder, wo einige wirtschaftliche Aktivitäten entwickelten. "Es gab paraguayische Militärs mit Nazi-Sympathien, was ihren Aufenthalt erleichterte", fügte Chamorro hinzu. Er erwähnte auch, dass der berühmte Nazi-Jäger Simon Wiesenthal laut anderen Forschern in Paraguay auf ihrer Spur gewesen sein soll.

Der Historiker kam zu dem Schluss, dass derartige Mythen weiterhin kursieren, weil sie Interesse wecken und oft sensationslüstern ausgeschlachtet werden. Er betonte, dass die Figur Hitlers verkauft und die Behauptung, er sei in Paraguay gewesen, stets Aufmerksamkeit erregt, die wahre Geschichte jedoch dokumentiert und für jeden zugänglich ist, der sie kennen möchte.